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Ziesar baut auf das Mittelalter

Wo alle „Wege in die Himmelsstadt“ führen

 

Schon von weitem können Besucher die „Bischofsmütze“ sehen. Der hell-weiße Turmaufsatz gehört zur ehemaligen Bischofsresidenz der Burg Ziesar im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

 

Ziesar war zwar im Mittelalter nicht der Nabel der Welt, aber hier wurde schon bischöfliche Politik gemacht, als die deutsche Hauptstadt Berlin noch gar nicht existierte. Immerhin gab es zwischen Ziesar und Rom eine „direkte Achse“.

 

Erstmals 948 urkundlich erwähnt, war die Anlage von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum 16. Jahrhundert Residenz der Bischöfe von Brandenburg. In der öffentlichen Wahrnehmung beginnt die Geschichte Brandenburgs allerdings erst mit dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und dem Aufstieg Brandenburg Preußens zur europäischen Großmacht. Das soll sich nun ändern. Denn was Potsdam für Preußens Geschichte, ist Ziesar für die Zeit davor. Deshalb wird die Burganlage Ziesar zu einem Ausstellungs- und Kulturzentrum aufgebaut.

 

„Wege in die Himmelsstadt“, so der Titel, beschäftigt sich mit der Geschichte der Bischofsresidenz und 1.000 Jahren Christianisierung in Brandenburg. In 21 Räumen auf drei Ebenen mit 1.000 Quadratmetern Gesamtfläche beleuchtet die Ausstellung diese weitgehend unbekannte Epoche.

Neben dem reinen Ausstellungsbetrieb soll im Museum auch über die Geschichte von Ziesar geforscht werden. Schon die bisherige Vertiefung in das vermeintlich „dunkle Mittelalter“ bringt erstaunliche Funde zutage. In den Wohnräumen der Bischöfe fanden die Forscher eine mit Holz befeuerte Bodenheizung aus dem 15. Jahrhundert. Ein weiterer Höhepunkt ist die Kapelle der Burg. Hier überspannt ein dichtes Netz von plastisch gemalten Rippen und Maßwerken den Innenraum.

 

Die fast vollständig erhaltenen Gewölbe- und Wandmalereien machen den Kirchenraum zu einem Paradiesgarten. Kapelle und Palais zählen zu den bedeutendsten Bauwerken des Spätmittelalters.

 

Auch der Kurator des Museums, Clemens Bergstedt schwärmt: „Der bau- und kunsthistorische Bestand sowie der Erhaltungszustand sind in dieser Qualität im norddeutschen Raum einzigartig.“

 

Viele der Wandmalereien waren allerdings später von der reformierten Gemeinde übertüncht worden und sind erst 1860 wieder zum Vorschein gekommen, als die weiße Farbe ab­blätterte. Die Burganlage diente als kurfürstliche Witwenresidenz und zu DDR-Zeiten als Schulinternat. Wenn ehemalige Schüler wie der Komponist Georg Katzer oder ARD-Moderator Karsten Schwanke heute zu Besuch kommen, staunen sie, wie sich die ehemalige Paukeranstalt gewandelt hat dank der umfangreichen Renovierungsarbeiten der Anlage, die noch einige Jahre in Anspruch nehmen werden. Rund 5,2 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Die Hälfte der Kosten übernahm auch hier die Europäische Union. Der World Monuments Fund aus New York stellt für die Restaurierung der Kapelle zusätzliche Mittel bereit – ein weiterer Beleg für die kulturhistorische Bedeutung der Anlage, die in Zukunft rund 15.000 Besucher pro Jahr an­­locken soll.










Dr. Clemens Bergstedt,
Kurator des Museums
Burg Ziesar

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